Axente Sever /Frauendorf Fortified Church
and Historic Museum

Wehrkirche Frauendorf

Das Dorf Frauendorf

Frauendorf (Rumänisch “Axente Sever”, früher „Frua“) liegt an der DN 14 in der Provinz Sibiu auf ca. 11 km Abstand südwestlich der Stadt Medias. Das Dorf wird erstmals erwähnt in einem Dokument aus 1305 und hieß damals Villa Dominarum. Dieser Ort musste jedoch schon früher bewohnt gewesen sein. Denn im jahre 1875 wurden in Frauendorf 562 goldene Münzen gefunden aus der Periode zwischen 211 bis 56 vor Christus. Das Dorf wurde gegrunded von "Flandrenses"", Kolonisten aus Brabant und Vlamen, später Sachsen genennt. Das Dorf wurde bekannt durch Baumwollanbau mit einer Wehrkirche die den Einwohnern bei Gefahr Schutz bieten musste.

Die Weltgeschichte scheint lange Zeit an Frauendorf vorbei gegangen zu sein. Im Jahre 1821 wird jedoch Axente Ion in diesem Dorf geboren. Dieser Politiker, Pädagoge und Prefect (aus dem Latein: Praefectus, der Leiter, Vorstand), welcher den Beinamen Sever trug, spielt eine wichtige Rolle während der Revolution von 1848. Er ist als Leiter der Propagandaabteilung ein wichtiger Mitkämpfer der „Avram Iancu“.

Im Jahre 1931 bekommt der Ort Frauendorf, zum Andenken an den 25ten Todestag von Axente Ion den Namen Axente Severe.

 

Gegenwärtig hat das Dorf 2300 Einwohner. Der größte Teil der ursprünglich deutschsprachigen Bevölkerung ist ausgewandert im zweite Halfte der 20ten Jahrhunderd um ein besseres Leben in Deutschland zu suchen. Jetzt wohnen noch ungefähr 2 Familie in diesem Dorf. Die wichtigsten Mittel zur Sicherung des Lebensunterhalts sind Forstwirtschaft und kleine Industrie. Das Dorfentwicklungsprojekt mit der Sanierung der alten Wehrkirche mit der Mauer und dem Museum sowie einer Pension war die Initiative von internationaler Zusammenarbeit zwischen:

 

 

Stiftung Opération Villages Roumains NL (mittlerweile Stiftung Comité Samenwerking Roemenië) ansässig in Ossendrecht, Niederlande.

The Mihai Eminescu Trust

Siebenburgische Sachsische Stiftung

Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Nützliche Adressen im Postleitzahlbereich 557025

Evangelisches Consistorium, Frau Servatius Depner 0735564993

Postamt: Strada Principala 164 Axente Sever

Primaria (Rathaus) Strada Principala 165 Axente Sever

 

    

Grundriss der Allerheiligenkirche in Axente Sever

Das Dorf liegt am rechten Ufer des Weißbachs, einem Nebenfluss der Kokel (im Rumänischen die Visa), 2km südlich von Kleinkopisch (im Rumänischen Copsa Mica). Dieser Ort ist während des kommunistischen Regimes verschmutzt durch die Rost- und Giftgase der Fabrikschornsteine.

Die evangelische Wehrkirche von Frauendorf wurde erstmals in 1322 und 1323 erwähnt. Die Kirche hat eine einfache Ummauerung. In der Mauer der Kirche befinden sich einige Räumlichkeiten, worin die Dorfbewohner in Zeiten von Gefahr Zuflucht vinden konnten. Die Barock Orgel der Kirche stammt aus dem Jahre 1777. Die Kirche ist dem Tag Allerheiligen geweiht. Die gotische Saalkirche besteht aus einem Kirchenschiff, dem sogenannten Festlichkeitsturm, über der Kreuzung des Chors und dem Schiff. Der Turm ist erreichbar über eine Türe an der Außenseite der Kirche. Man gelangt über den Kirchendachboden hin zum Turm. Auf den Glocken stehen die Inschriften: „Gloria in excelcis Deo et in terra pax hominibus“ (zu Deutsch: Ehre sei Gott in de Höhe und Friede dem Menschen auf Erden), die bekannte Aussage der Hirten bei der Geburt Christus und „Miserere nostri Domine/ Anno 1699“ (zu Deutsch: Wir loben dich, oh Herr / Jahr 1699).

Rundherum befinden sich Galerien, die Orgel steht auf der Westgalerie. Der Orgelbauer Johann Hann aus Sibiu baute die erste Orgel. In 1926 wurde sie durch die Firma Ludwig Wegenstein aus Timisoara zu einer pneumatischen Orgel umgebaut. Die gemetzelte Kanzel steht an der Südmauer.

Der Barockaltar wurde von Stephan Valepagi erbaut. Das Abendmahl wird gefeiert bei der Predella, dem Tisch an der Vorderseite des Altars. Die wichtigste Darstellung ist die Kreuzigung von Christus und daneben seine Mutter Maria und dem Apostel Johannes. Zwischen den vier Korinthischen Säulen stehen die Apostel Petrus und Paulus.

Die Kirche befindet sich momentan noch in relativ gutem Zustand. Die Ummauerung, worin sich die Kornkammern befinden, waren in schlechtem Zustand. Opération Villages Roumains mit Pionier Ton van Rijen beschloss, dass etwas daran geschehen musste. Besprechungen mit Consistorium in Medias hatten als Resultaat, dass die Kornkammern eine gründliche Sanierung und Umbau zum Museum erhielt.

Was ist eine Wehrkirche?

Das Wort Wehrkirche besteht aus zwei Teilen. Die Silbe „Wehr“ befindet sich zum Beispiel in den Worten Abwehr und Wehrmacht und hat mit Verteidigung zu tun. Die Kirchen wurden nämlich gebaut mit einer Verteidigungsmauer um sich gegen die gefürchteten Türken zu verteidigen. In den Mauern der Kirchenburg befinden sich sogenannte Zufluchtsräume und Vorratskammern „Kornkammern“.

Die Kirchen befinden sich auch in anderen Ländern, zum Beispiel in Nordfrankreich. In Rumänien stehen die meiste in der Gegend zwischen Hermanstadt (Sibiu) und Kronstadt (Brasov). Nachfolgend sieht man eine Landkarte mit den meist bekennten Wehrkirchen, es gibt jedoch hunderte davon. Außerhalb dieses Gebiets gibt es noch Wehrkirchen in Straßburg (jud. Alba)=Aiud und in Sankt Georgen=Sfantu Gheorghe (jud. Covasna), die letzten beiden befinden sich in Ungarische Gebiete.

 

             

Das Museum

Warum sieht man so viele dieser prächtigen mittelalterlichen Wehrkirchen in Transsylvanien, das früher Siebenburgen hieß?

Das Museum gibt darauf Antwort. Es geht dabei auf die Fragen ein, wer diese Kirchen gebaut hat, wann und warum. Man entdeckt eine spannende Geschichte von mordenden Mongolen, brandschatzenden Türken und den ersten Kolonisten, den Flandrenses. Dies waren Bauren aus Vlaanderen, Brabant en Lotharingen, welche ca um 1150 in das Land von „Milch und Honig“ zogen auf der Suche nach einem besseren Leben. Sie nahmen ihre Kultur mit, von welcher man noch immer die Spuren sieht.

Man reist in die Vergangenheit, in welcher die Dorfbewohner ihre Kirchen um bauten zu mächtigen Bastionen um sich so gegen die Türken, Tartaren und herumziehenden Gesindel zu verteidigen. Man lernt die sächsischen Dörfer kennen und wie die hunderten Dörfer aussehen mit ihren typischen fränkischen Bauernhöfen. Es gibt Information über die verschiedenen Baustile, die Art und Weise mit der man früher baute, die Werkzeuge und Materialien. Man bekommt einen Eindruck von den technischen Entwicklungen um die Burgen zu verstärken. Stolze Bauwerke, oft gebaut durch die ungebildeten Bauern, die uns über die besondere und einzigartige Architektur erstaunen lassen, welche uns geschenkt ist.

Die Kirche war nicht nur das physikalische Zentrum des Dorfes sondern auch das Epizentrum des sozialen Dorflebens. Wir richten darum unsere Aufmerksamkeit unter anderem auch auf die Lebensgemeinschaften, Feste und die Mittel zur Sicherung des Lebensunterhalts.

Das Muzeul Cetate erzählt eine eindrucksvolle, mittelalterliche Legende über die Sachsen, Rumänen und Ungarn, die Jahrhunderte lang ihr Land und ihr nacktes Überleben verteidigen mussten. Unser Museum ist ein lebendes Monument von all diesen Generationen die diese Opfer erbringen mussten und zusammengearbeitet haben um Transsilvanien zur Wohlfahrt zu bringen.

Mit diversen Maquetten, Zeichnungen, Beispielen und Displays mit flotten Texten in Deutsch, Englisch und Rumänisch können Sie die Geheimnisse von Transsilvanien im Mittelalter enträtseln. Auf dem mehr als 20 Meter langem full scale replica Wehrgang mit Schiesslöchern und Gießschoten werden regelmäßig Veranstaltungen aufgeführt über die transsilvanischen Kirchen und Kultur.

Fruhstuckzimmer

Erlebe eine Nacht im Atmosphäre der Kirchenburg

Zimmer mit Frühstück in die vier Gästezimmer der Wehrkirche. Jedes Zimmer hat ein ein eigenesToilet und Badezimmer. Raum für 14 Personen. Viele Bilder im Photoalbum.

Preisen pro Nacht für 1 person €10,  Frühstück € 5

Fahrradverleih am Burg. Gut markierte Wanderwege. Pferdreiten möglich in der Nahe.

Reservierungen: 0040(0)735.569.996 e-mail: muzeulcetate@yahoo.com

                             

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Neuerscheinung!

Für Architekten, Turisten und alle die sich für Geschichte und mittelalterliche Baukunst begeistern

Das Erbe der Siebenbürger Sachsen”, von Tudor Seulean, Maarten Ruijters, Ton van Rijen

Kurze Beschreibung

Im Westen Europas gibt es nicht viele Informationen über die Kirchen- und Bauernburgen Siebenbürgens. Dieser Band möchte diese Lücke füllen und porträtiert eine Vielzahl dieser Baudenkmäler, die von der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinde in Transylvanien, Rumänien errichtet wurde.

In den über 800 Jahren ihres Bestehens errichteten sie Hunderte von mittelalterlichen Kirchenburgen, jedoch stehen nur noch 160 mit ihren Wehrkonstruktionen, Bollwerke, Basteien, Mauern und Türmen. “Transylvania, the Saxon Legacy” zeigt über 50 dieser Kirchenburgen in farbigen Bildern begleitet von architektonischen und historischen Beschreibungen in fünf Sprachen.

Der niederländische Architekt Maarten Ruijters skizziert die baulichen Aspekte, die Vielfalt der Typen und Formen, die Entwicklung dieser kleinen Dorfkirchen zu Wehrkirchen, den Wandel über die Jahrhunderte für den Widerstand während unbeständiger Zeiten.

Die hervorrangenden Bilder von Tudor Seulean werden durch Skizzen ergänzt, durch detaillierte Grundrisse und Zeichnungen aus der Hand von Maarten Ruijters, sowie durch weitere schriftliche Details.

Die Geschichte der Siebenbürgen Sachsen und die ihrer Kirchen wird zusammenfassend aber überblickend dargestellt: beginnend um 1150, als die Bevölkerung der Niederlande den Karpathenbecken besiedelte bis zur Auswanderung in den Jahren 1950-1990. In dieser Zeitspanne verließen die meisten Siebenbürger Sachsen Rumänien um in Deutschland eine sicherere Zukunft zu suchen. Schließlich folgte 1990, als nur wenige Siebenbürger Sachsen in ihren ursprünglichen Dörfern zurück blieben, der völlige und stille Zusammenbruch dieser einzigartigen und reichen Kultur in der europäischen Kulturlandschaft.

Ein Kapitel befasst sich mit einem besonderen Museum in Siebenbürgen, das sich der mittelalterlichen Baukunst dieser Kirchen widmet. Es gibt Erklärungen zu Fragen nach wer, wann und aus welchem Grund sie errichtet hat, sowie zu ihrer Bedeutung für diese kleinen, starken, meist dörflichen Gemeinden.

Der Band präsentiert eine Vielzahl an Themen in einer kompakten und praktischen Form. Er beinhaltet auch eine Liste mit Telefonnummern der Kontaktpersonen für jede beschriebene Kirchenburg. Eine kleine Karte zur Orientierung ist beigelegt.

Der Band hat über 200 Seiten, davon 50 Seiten mit Informationen auf Deutsch, Englisch, Rumänisch, Französisch und Ungarisch.

Format 23 x 24 cm

ISBN 978-073-126-163-8

Verlag: Editura Grinta Cluj-Napoca 2009

Für Bestellungen:

aus den Niederlanden/ Belgien/der Schweiz

Preis: NL/B/CH € 22,50 (inklusiv Versandkosten)

Kontakt: A. van Rijen, Tel: 0031 164 673703 oder E-mail: ajpcvanrijen@online.nl

ABNAmrobank 525213562 Bic ABNANL2A IBAN NL16ABNA0525213562

Für Deutschland:

Preis € 18

Kontakt: A. van Rijen, Tel: 0031 164 673703 oder E-mail: ajpcvanrijen@online.nl

ABNAmrobank 525213562 Bic ABNANL2A IBAN NL16ABNA0525213562

Für Rumänien:

Preis RON 60

Kontakt: Tudor Seulean, Tel: 0040 728 839056 oder E-mail: tudorseulean@gmail.com

Pilgerweg

"Kirchenburgen im Weinland"

 

 

                        

                Herausgeber Honterus Verlag, Hermannstadt ISBN 978-973-1725-29-1

Artikel in Hermannstadter Zeitung 30 - 6 -2012 

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11. November 2013

Interview mit Antoine van Rijen, Ehrenbürger von Frauendorf

Das nachfolgende Interview führte Monika Schneider-Mild mit Antoine van Rijen anlässlich der dem Niederländer verliehenen Ehrenbürgerschaft von Frauendorf.

Lieber Herr van Rijen, Sie wurden für Ihr persönliches und finanzielles Engagement an der Kirchenburg in Frauendorf offiziell mit der Ehrenbürgerschaft geehrt. Seit wann engagieren Sie sich für dieses Objekt, in das inzwischen 400 000 Euro für die Restauration geflossen sind? Was war der Auslöser für Ihr Engagement?

Als wir 2001 zum ersten Mal Siebenbürgen besucht hatten, war ich erstaunt über die vielen unbekannten Denkmäler der Wehrkirchen und die verträumten Dörfer. Damals haben wir von der Geschichte der Siebenbürger Sachsen erfahren. Namen, Wörter und Lieder weisen darauf hin, dass sich auch Menschen aus den mittelalterlichen Herzogtümern Brabant und Limburg (heute in den Niederlanden und Belgien) seinerzeit in Siebenbürgen angesiedelt haben. Daraufhin habe ich mich entschlossen dabei zu helfen

 

Ton van Rijen bei seiner Dankesrede.Foto: Moni Schneider-Mild

 

 

diese verschwindende Kultur zu schützen. Durch eine Reise nach Hermannstadt und Mediasch gelangten wir nach Frauendorf und es war „Liebe auf den ersten Blick“, die sich zur Leidenschaft entwickelt hat. Die teilweise Renovierung der Wehrkirche wurde durch meine Stiftung finanziert, die wiederum von einem internationalen Konsortium aus Deutschland (Pro Denkmal, DBU), Schweiz (SSS), Niederlande (NCDO) und Großbritannien (Eminescu-Trust) unterstützt wird. Vor Ort werde ich von Pfarrerin Servatius-Depner, in der ich eine verlässliche Ansprechpartnerin gefunden habe, sowie dem evangelischen Konsistorium in Mediasch und dem Rathaus in Frauendorf unterstützt. Das Museum habe ich selbst entworfen, 2009 wurde es eingeweiht.


Wie steht Ihre Familie dazu?

Meine Frau unterstützt meine Arbeit mit der gleichen Liebe wie ich selbst. Ich bin selber 78 Jahre alt, und wir haben uns zum Ziel gesetzt, dabei zu helfen, dass die Existenz dieses Museums auch in Zukunft sichergestellt ist.


Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Meines Erachtens ist zu wenig über Frauendorf und die Bedeutung des „Muzeul Cetate“ für das kulturelle Erbe und die kulturellen Schätze in Siebenbürgen bekannt. Im Jahre 1991 ist hier eine europäische ethnische Bevölkerungsgruppe mit Wurzeln in Deutschland, Österreich, Luxemburg, Holland und Belgien nahezu verschwunden. Festgestellt habe ich, dass außer den Sachsen kaum einer die 850-jährige Geschichte der Siebenbürger Sachsen kennt. So haben wir in Holland und Belgien leider nie etwas über die „Flandrenses“ gehört, die um 1150 wegen der schlechten Wetterverhältnisse und schlechten politischen Bedingungen im großen Zug aus den heutigen Niederlanden nach Siebenbürgen ausgewandert sind. Zum geschichtlichen Gedenken habe ich im Museum eine Plakette angebracht mit der Inschrift: „Zur Ehre der vielen Generationen, die unter immer schwierigen Verhältnissen Siebenbürgen aufbauten.“ Ich fühlte, dass es eine notwendige Geste war, das Museum zu stiften, so dass die Geschichte der sächsischen Gemeinschaft auch in Zukunft nie vergessen wird und man dieses kulturelle Erbe schützen sollte.


Ihre Dankesrede zur Ernennung zum Ehrenbürger von Frauendorf haben Sie als Niederländer bewundernswerter Weise in Deutsch und Rumänisch gehalten. Wie kommt das?

Ich bin für ein international tätiges Unternehmen viel in Deutschland geschäftlich gereist. Tja, und die rumänische Sprache? Meine Frau ist Rumänin aus Craiova. Ich selber? „Nu vorbesc romaneste“ - ich habe in meiner Frau einen sehr guten Dolmetscher!


Welche Botschaft möchten Sie mit Ihrem Einsatz transportieren?

Wenn man in der Lage ist dazu beizutragen, die Gesellschaft zu verbessern, so sollte man das tun und dabei selber mit anfassen - mit eigener Initiative!


Besten Dank für das Gespräch, Herr van Rijen. Ihnen und Ihrer Familie alles Gute!